Ein Zitat
26. August 2010My mistake was in ever opening the books.
(Wolf Larsen)
My mistake was in ever opening the books.
(Wolf Larsen)
Mit dem Weltkrieg ist es wie mit den Frauen … Da muss man in alle Richtungen was laufen haben.
(switch reloaded)
These things happened. They were glorious and they changed the world… and then we fucked up the endgame.
Charlie Wilson
Geeks sind Nerds, die jemanden kennen.
oder
Geeks und Nerds sind Leute, die Wert auf die Unterscheidung zwischen Geeks und Nerds legen
(unbekannt)
Das Shuttle beerben? Oder doch besser nicht? Diese Frage stellt sich für ein zukünftiges Heavy-Lift-Vehicle (HLV) der NASA, und vielleicht sogar der gesamten internationalen Raumfahrt.
In den USA gibt es seit den 90er Jahren immer wieder Ideen, Studien und Konzepte, um mit der teuer erkauften und erprobten Shuttle-Technologie ein neues HLV zu entwickeln, welches endlich bemannte Exploration ins Sonnensystem ermöglichen soll. Die verschiedenen Konzepte liefen unter den Namen: Shuttle-C, National Launch System (NSL), Shuttle-Derived Heavy-Launch-Vehicle (SD-HLV), DIRECT (Jupiter) … die 1.5-ESAS-Architektur (Exploration Systems Architecture Study), aus der ARES I und V hervorgingen. Sie alle sollten Shuttle-Technologie weiter nutzen und so die Kosten und Risiken der Entwicklung senken. Sie alle wurden aufgegeben, oft wegen der Kosten, selten wegen grundlegender, konzeptioneller Bedenken. Nachdem DIRECTs Jupiters tot sind, ebenso wie die ARES-Familie, hört man wieder vermehrt Ideen und Meldungen zu einem SD-HLV in Form eines “neuen” Shuttle-C.
Was haben diese Konzepte gemein? Sie nutzen alle die selben Argumente. Unterschiede gibt es in den Details, aber weniger in den Grundannahmen. Damit erben sie, neben den Vorteilen der Shuttle-Technologie, auch deren Risiken. Auf der einen Seite ist das technologische Risiko gut abschätzbar, ebenso kann man auf eine breite Know-How-Basis bauen. (Allerdings wird so, bei ernsthafter Betrachtung, für die Entwicklung eines neuen Trägersystems natürlich kein Blankoscheck ausgestellt.) Auf der anderen Seite, erbt man auch die Probleme der Shuttle-Technologie: der Aufwand im Betrieb und die Kosten von Hochtechnologie.
Vielleicht wäre es an der Zeit eine “tabula rasa” zu machen, einen Neubeginn mit neuen Ideen und Konzepten, um ein HLV-System auf die Beine zu stellen. Ansätze in diese Richtung lassen sich seit diesem Jahr in den USA entdecken: Die NASA soll mit ihrem Budget u.a. ein Technologieporgramm zur Antriebstechnik eines HLV durchführen und die Entwicklung eines Hochleistungstriebwerks auf RP-1-Basis (Rocket Propellant 1/ LOX-Kerosin) soll anlaufen. Das könnte den Weg zu einer anderen Architektur öffnen, jenseits der Wege des Shuttles, aber nicht abseits erprobter und bewährter Wege in der Raumfahrttechnik.
Aber, wahrscheinlich liegt die Crux (noch) woanders. Die Kosten einer Explorationsarchitektur lassen sich nicht nur auf die Shuttle-Technologie schieben, zumal der teure Orbiter bei den HLV-Varianten fehlen würde. Man sollte auch nicht ernsthaft erwarten, dass ein HLV mit RP-1 wirklich deutlich billiger “zu haben” wäre. Wahrscheinlich sind es die Kosten eines Explorationsprogramms an sich, die allen Ansätzen immer wieder das Genick brechen … allen Alleingängen. Das liegt dann aber jenseits der Technik …
Vielleicht kann sich die Welt nur ein Heavy-Lift-Vehicle leisten, ein internationales … und nur ein Explorationsprogramm, ebenso international.
Nur mit einer Luftwaffe gewinnt man keinen Krieg, ohne eine schon gar keinen.
(nach Andreas Tchorz)
Warum ist der aktuelle Mensch so gleichgültig gegenüber Technik und Forschung? Warum werden technische Disziplinen immer unattraktiver oder gar missverstanden? Warum wird Innovation abgelehnt?
Immer wieder kommen Umfragen zu dem Schluss, dass technische Berufe, allen voran die Ingenieure, ein Nachwuchsproblem haben, und zwar auf beiden Seiten. Die Arbeitgeber beklagen einen Mangel, tuen aber teilweise selbst wenig zur Förderung von Neueinsteigern und Umsteigern (die Raumfahrtbranche lässt grüßen …). Unter Schülern und Studenten gelten Ingenieursberufe als unkreativ, eintönig und nach Schema F ablaufend.
Wahrscheinlich wird sich jeder Ingenieur bei letzter Aussage die Haare raufen oder den Kopf schütteln. Aber woher kommt so ein Missverständnis? Zumindest einen Teil der Antwort sehe ich einer gewissen Technikferne der heutigen Gesellschaft. Technik umgibt uns, füllt unseren Alltag aus. Wir merken an vielen Stellen gar nicht mehr, wo wir alles kleine Helferlein einsetzen, die uns Bequemlichkeit und Nutzen bringen. Dabei sind wir schon so gesättigt, dass wir den nächsten kleinen Nutzengewinn durch eine neue Generation oder einen kleinen Evolutionssprung gar nicht mehr merken. Neue Produkte kommen in einer so hohen Frequenz zu uns, als wäre es das Natürlichste der Welt, als steckte dahinter keine Leistung.
Früher hingegen hatten neue Technologien und ihre abgeleiteten Produkte einen direkt spürbaren Nutzen für die Menschen … Telefone, Fernsehen, Waschmaschinen, Klimaanlagen, Kühlschränke. Jede neue Technologie, jedes neue Produkt, verhieß noch mehr und wurde begrüßt. Von diesem Zustand sind wir in der heutigen Passivität weit entfernt. Vielleicht wird heute Technologie sogar als gefährlich wahrgenommen, dank ihrer Unverständlichkeit. Am Ende färbt diese Haltung auf die “Bilder in den Köpfen” ab, auf die “Selbstbilder”. Der Weg in die Technik wird nicht mehr als spannend und wertvoll erfasst.
Das Problem: Am Ende wird aus passiver Technikferne irgendwann Technikfeindlichkeit?
Durch technische Probleme bei meinem Hoster sind die letzten beiden Artikel “Technikfeindlichkeit oder Technikferne?” und “Wird die ISS zum Klotz am Bein der bemannten Raumfahrt?” samt der Kommentare verloren gegangen. Vielleicht werden sie noch wiederhergestellt … aber ich bin da skeptisch.
Aber eines Tages bin ich an der Gedenktafel vorbeigegangen, die für die Sophie Scholl an der Franz-Joseph-Straße befestigt war und da habe ich gesehen, dass sie mein Jahrgang war und dass sie in dem Jahr, als ich zu Hitler kam, hingerichtet worden ist. Und in dem Moment hab(e) ich eigentlich gespürt, dass das keine Entschuldigung ist, dass man jung ist, sondern dass man auch hätte vielleicht Dinge erfahren können.
Traudl Junge
… oder etwas Laienpsychologie.
Es ist schon erstaunlich wie die Psyche des Menschen funktioniert, allem Anschein nach zumindest. Der Mensch gewöhnt sich schnell an den aktuellen Status Quo. Die Umwelt liefert uns eine Wahrnehmung und hilft uns auch gleich dabei die passende Interpretation/Einordnung zu finden. Alles ordnet sich dem Motto unter: Mir soll es gut gehen. Ausreißer im Befinden (mir geht es sehr schlecht … ich bin sehr glücklich) haben nur kurz Bestand. Sehr schnell fühlen sich nach (auch drastischen) Veränderungen alle wieder gleich gut, gleich glücklich, gleich zufrieden, verglichen mit dem Ausgangszustand. Im Nachgang liefert uns dann der Verstand sogar rationale Argumente zur Rechtfertigung, warum es gerade gut ist, obwohl wir vorher vielleicht geschockt, verlegen, erzürnt oder niedergeschlagen waren. Wahrscheinlich gehört diese “Funktion” unseres Wesens zur Überlebensstrategie:
Ich passe mich an … und ein schlechtes Bauchgefühl führt zu Magengeschwüren.
Jetzt liefert auch die Raumfahrt dafür ein Beispiel, und das auf allen Ebenen. (Lobbyisten, Abgeordnete, Diskussionen, Enthusiasten, Hersteller). Nach dem Ende von Constellation war man geschockt. Das Technologieprogramm war eher so etwas wie ein Witz, es gab nichts Greifbares mehr, Ziele fehlten, game-changing technologies war ein buzz word und eine Vision war nicht zu entdecken. Das Ende der bemannten US-Raumfahrt war gekommen.
Und jetzt? Nach Monaten im neuen Status Quo, nach kleinem Feintuning und Ausformulieren einiger Details, hört man versöhnlichere Stimmen. Lobbyisten und Hersteller schwenken langsam um (gerade u.a. Pratt & Whitney), Politker werden ruhiger und auch die Raumfahrtfans arrangieren sich. Die Diskussion hat endlich wieder den Namen verdient und ist kein trauriger Abgesang, überhitzter Meinungswechsel oder eine polemische Anklage mehr. Und, überall finden sich plötzlich Argumente für das Neue:
Die Liste ist nicht vollständig und die Kontroverse ist bei weitem nicht beendet. Trotzdem lässt sich eine Beruhigung und ein Arrangement beobachten, samt nachträglicher Rationalisierung.
Wie sollte man sonst auch weiter Spaß an seinem Hobby haben?